1. Der EIA-Pfad Quartal für Quartal
Die EIA sieht den Ölpreis nicht abstürzen, sondern über sechs Quartale abbröckeln: 90,66 Dollar im vierten Quartal 2026, dann 84,90, 77,00, 70,03 und 63,94 Dollar in den vier Quartalen 2027 (STEO, 9. September 2026). Der Jahresschnitt 2027 liegt mit 73,74 Dollar rund 17 Dollar unter dem von 2026 (91 Dollar) und rund 26 Dollar unter dem Kurs vom 22. September 2026. WTI folgt mit einem Abstand von vier Dollar: 69,74 Dollar im Jahr 2027.
| Quartal | Brent | WTI |
|---|---|---|
| Q3 2026 | 89,11 $ | 84,01 $ |
| Q4 2026 | 90,66 $ | 85,98 $ |
| Q1 2027 | 84,90 $ | 80,90 $ |
| Q2 2027 | 77,00 $ | 73,00 $ |
| Q3 2027 | 70,03 $ | 66,03 $ |
| Q4 2027 | 63,94 $ | 59,94 $ |
| 2026 gesamt | 91,00 $ | 84,65 $ |
| 2027 gesamt | 73,74 $ | 69,74 $ |
Zum Vergleich der Verlauf des Krisenjahres: 118,35 Dollar am 31. März 2026 auf dem Höhepunkt der Hormuz-Sperre, 71,57 Dollar am 1. Juli nach dem Juni-Abkommen, 96,78 Dollar am 24. Juli nach dessen Bruch (Wikipedia), 104,33 Dollar am 18. September und 99,97 Dollar am 22. September (Fortune, eigene API). Die EIA-Prognose vom 9. September hat den September-Anstieg über 100 Dollar nicht enthalten; ihr drittes Quartal 2026 steht bei 89,11 Dollar.
2. Warum der Preis fallen soll: Überschuss, Hormuz, US-Förderung
Die Prognose steht auf drei Annahmen. Erstens der Bilanz: 2026 verbraucht die Welt 1,97 Millionen Barrel täglich mehr, als gefördert wird, 2027 werden 4,90 Millionen Barrel täglich mehr gefördert als verbraucht (Rigzone nach EIA, 16. September 2026). Die Lager, die 2026 um rund 400 Millionen Barrel geschrumpft sind, füllen sich 2027 wieder. Zweitens Hormuz: Die EIA rechnet mit Förderausfällen von 6,7 Millionen Barrel täglich im August 2026 und mit Einschränkungen bis ins zweite Quartal 2027, danach mit Normalisierung. Drittens die USA: Die Förderung steigt von 13,8 auf 14,3 Millionen Barrel täglich (STEO).
Goldman Sachs kam im Juni auf ähnliche Zahlen mit anderer Begründung: 75 Dollar für 2027 als langfristiges Gleichgewicht, getragen von mehr Angebot aus den USA, Brasilien, Guyana, Venezuela und den Emiraten und von einer Nachfrageschwäche, von der rund zehn Prozent auch nach dem Krieg bleibe; der Überschuss 2027 wurde mit 3,2 Millionen Barrel täglich beziffert (Yahoo Finance, 13. und 21. Juni 2026). Wichtig: Diese Zahlen stammen von vor dem Bruch der Waffenruhe am 8. Juli; eine aktuellere Goldman-Prognose lag uns am 22. September nicht vor. Warum Überschüsse den Preis drücken, erklärt der Lexikonbeitrag Contango und Backwardation.
3. Was die Prognose kippen kann, nach oben und nach unten
Nach oben: Die ganze Prognose hängt an Hormuz. Bleibt die Meerenge über das zweite Quartal 2027 hinaus eingeschränkt, entfällt der Überschuss; der Markt hat im März 2026 gezeigt, dass er dann 118 Dollar bepreist. Dazu kommen Russlands Raffinerien unter Drohnenbeschuss (Exportverbot bis Ende Oktober, Hydrocarbon Processing) und die saudische Ost-West-Pipeline, die nach dem Angriff vom 13. September erst in sechs bis acht Wochen wieder voll läuft (OilPrice.com, 22. September).
Nach unten: Eine schnelle Öffnung. Iran hat am 22. September angeboten, die Meerenge binnen sieben Tagen zu öffnen (Reuters via Israel Hayom); Goldman bezifferte im Juni eine um einen Monat frühere Normalisierung mit rund 10 Dollar weniger für Ende 2026 und 5 Dollar für 2027. Käme die Öffnung im Oktober statt im Frühjahr, läge der EIA-Pfad zu hoch. Die drei Szenarien dazu stehen unter Hormuz-Öffnung: was passiert mit den Preisen. Und jenseits der Geopolitik: Goldmans Nachfrageschwäche, Chinas Elektroautos und die US-Förderung wirken 2027 in dieselbe Richtung, nach unten.
4. Was 74 Dollar für Heizöl, Diesel und Benzin bedeuten
Die EIA übersetzt ihren Pfad selbst in Verbraucherpreise: US-Heizöl 5,66 Dollar je Gallone im vierten Quartal 2026 und 4,31 Dollar im Jahresschnitt 2027, Diesel 5,55 und 4,40 Dollar, Benzin 3,95 und 3,35 Dollar (STEO, 9. September). Diesel und Heizöl fallen also langsamer als Rohöl, weil die Destillatlager über weite Strecken des Jahres 2027 unter dem Fünfjahrestief bleiben sollen; der Abstand zwischen Diesel und Benzin bleibt mit 1,05 Dollar je Gallone ungewöhnlich groß (siehe Warum ist Diesel teurer als Benzin).
Für Deutschland gibt es keine amtliche Übersetzung, aber eine Faustregel aus unserer Methodik: Zehn Dollar je Barrel Brent entsprechen bei einem Kurs von 1,14 Dollar je Euro rund 5,5 Cent je Liter vor Steuern (siehe Pass-through-Effekt). Ein Rückgang von 100 auf 74 Dollar wäre demnach gut 14 Cent je Liter Heizöl, wenn Raffineriemargen und Fracht mitziehen; genau das ist 2027 die offene Frage. Wer heute mit Heizöl über den Winter kommen muss, findet die Entscheidungsregel unter Heizöl jetzt kaufen oder warten; die Preisseite mit Datum steht unter Heizölpreis-Prognose.
Was 74, 90 oder 118 Dollar Brent für deinen Haushalt bedeuten, rechnest du in einer Minute aus.
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