1. Wo die Speicher heute stehen
Die deutschen Gasspeicher waren nach den letzten Angaben der Bundesnetzagentur zu 57,7 Prozent gefüllt (ZDFheute); Trading Economics nennt für den 2. Oktober „knapp über 57 Prozent“ für Deutschland und rund 71 Prozent für die EU, gegen 87 Prozent im Fünfjahresmittel. Deutschland liegt damit rund 13 Punkte unter dem EU-Wert (eigene Rechnung aus 57,7 und rund 71 Prozent). Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen mit eigenen Stichtagen, wir nennen sie nebeneinander und mitteln sie nicht.
Zum Verlauf: Am Morgen des 22. September 2026 lagen 140,7 Terawattstunden Arbeitsgas in den deutschen Speichern, 56,8 Prozent der technischen Kapazität von 247,5 Terawattstunden; am Vortag wurden 711 Gigawattstunden eingespeichert und nur 5 entnommen, der Füllstand stieg um 0,29 Prozentpunkte (GIE AGSI). Die EU lag damals bei 69,9 Prozent, die Niederlande bei 55,5, Frankreich bei 80,3, Italien bei 85,8 und Polen bei 98,5 Prozent. Die Tabelle zeigt alle AGSI-Werte vom Gastag 21./22. September; neuere Länderwerte aus dieser Quelle liegen uns für diese Aktualisierung nicht vor.
| Land | Füllstand (22.09.) | Arbeitsgas | Kapazität |
|---|---|---|---|
| EU gesamt | 69,9 % | 791,5 TWh | 1.131,6 TWh |
| Deutschland | 56,8 % | 140,7 TWh | 247,5 TWh |
| Niederlande | 55,5 % | 80,0 TWh | 144,0 TWh |
| Belgien | 60,0 % | 4,6 TWh | 7,6 TWh |
| Österreich | 67,8 % | 68,0 TWh | 100,3 TWh |
| Spanien | 73,4 % | 26,3 TWh | 35,8 TWh |
| Tschechien | 74,9 % | 34,0 TWh | 45,3 TWh |
| Frankreich | 80,3 % | 99,5 TWh | 123,9 TWh |
| Italien | 85,8 % | 174,5 TWh | 203,4 TWh |
| Polen | 98,5 % | 36,3 TWh | 36,8 TWh |
Der Grund für den Rückstand ist das Frühjahr. Der Winter 2025/26 war hart, die Speicher gingen mit rund 30 Prozent aus der Heizsaison (Wikipedia, März 2026), und dann kam der Krieg: Die Hormuz-Sperre ab März 2026 nahm dem Weltmarkt katarisches Flüssiggas, der Angriff auf Ras Laffan am 18. März kostete 17 Prozent der katarischen Kapazität für drei bis fünf Jahre (Wikipedia). Einspeichern war den ganzen Sommer teuer, und die Betreiber haben entsprechend zurückhaltend gebucht.
2. Was bis zum 1. November noch geht, und was der Winter braucht
Bis zur Vorgabe von 80 Prozent je Anlage zum 1. November fehlen nach dem Stand von Ende September rund 22 Prozentpunkte (eigene Rechnung aus 57,7 und 80 Prozent), und Ministerin Reiche hat Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern (ZDFheute, 30.09.2026). Begründet wird die Anweisung mit andauernden geopolitischen Risiken; eine strategische Gasreserve wird nach einer Gesetzesänderung 2027 aufgebaut. Acht Terawattstunden entsprechen, auf die Kapazität von 247,5 Terawattstunden umgelegt, rund 3 Prozentpunkten Füllstand (AGSI-Kapazität, eigene Rechnung).
Die lineare Fortschreibung vom 22. September (plus 0,29 Prozentpunkte am Tag, rund 68 Prozent am 1. November) führen wir nicht mehr fort: Zwischen dem AGSI-Wert vom 22. September (56,8 Prozent) und dem zuletzt gemeldeten Wert der Bundesnetzagentur (57,7 Prozent, laut ZDFheute vom 30. September) liegen nur rund 0,9 Prozentpunkte, eine eigene Rechnung aus zwei Quellen und deshalb nur eine Größenordnung. Die 80 Prozent gelten je Anlage, für sechs benannte Speicher wie Rehden nur 45 Prozent, zum 1. Februar dann 30 Prozent (Bundesnetzagentur). Auf EU-Ebene gilt ein flexibles Ziel von 83 Prozent zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember mit zehn Punkten Toleranz nach unten (Cleanthinking).
Entscheidend ist nicht die Vorgabe, sondern der Bedarf. Die Initiative Energien Speichern (INES) rechnet mit den 76 Prozent, die der Markt für den Winter 2026/27 gebucht hat: Bei einem normalen oder milden Winter reichen 76 bis 77 Prozent aus. Bei einem extrem kalten Winter wie 2010 fehlten im Februar und März 2027 bis zu 9 Terawattstunden im Monat, an einzelnen Januartagen mehr als 25 Prozent des Tagesbedarfs; INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann: „Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken deutlich“ (Cleanthinking, Stand 5. September 2026). Bei 57,7 Prozent Ende September ist selbst das milde Szenario noch nicht eingelagert.
3. Was den Gaspreis jetzt bewegt
Der TTF notierte am 2. Oktober 2026 bei 73,39 Euro je Megawattstunde (−0,75 Prozent; Trading Economics); am 22. September hatte der Frontmonat bei 70,66 Euro gelegen, 3,5 Prozent unter dem Vortag, nach über 84 Euro eine Woche zuvor, dem höchsten Stand seit Ende 2022 (finanzen.at). Der Preis liegt damit rund 2,7 Euro über dem Wert vom 22. September (eigene Rechnung aus zwei Quellen, nur als Richtung zu lesen).
Am Flüssiggasmarkt hat Katar seine LNG-Absagen verlängert: Pakistan, Bangladesch und ein indischer Käufer sind bis November betroffen, Edison bis Anfang Dezember; die LNG-Preise stehen auf dem höchsten Stand seit Ende 2022 (The National, 28.09.2026). Dass der Staat jetzt selbst einspeichern lässt, steht im Abschnitt zur Reichweite. Wie der TTF funktioniert und was er mit deinem Gastarif zu tun hat, steht im Lexikon unter TTF-Gaspreis; die Speichermechanik unter EU-Gasspeicher.
4. Was Gas- und Ölheizer jetzt tun sollten
Für Gaskunden ist die Speicherlage kein Grund zur Panik, aber einer zur Vorsicht: Bei 76 Prozent gebuchter Kapazität ist ein normaler Winter gedeckt, ein sehr kalter nicht ohne Importe und Sparanstrengung. Wer einen Vertrag mit Preisgarantie bis Frühjahr 2027 hat, sollte ihn behalten; wer im Grundversorgungstarif steckt, vergleicht jetzt, solange der TTF unter 75 Euro liegt (am 2. Oktober: 73,39 Euro, Trading Economics). Verbrauch senken bleibt der einzige Hebel, der immer wirkt: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart nach der Faustregel des Umweltbundesamts rund sechs Prozent Heizenergie, unsere Spartipps haben die Liste.
Für Ölheizer ist die Lage umgekehrt: Heizöl ist nicht speicherabhängig, aber seit Wochen teuer, 164,57 Euro je 100 Liter bei 3.000 Litern am 2. Oktober 2026, 12:24 Uhr, 2,41 Prozent weniger als am Vortag (HeizOel24). Wer noch nicht bestellt hat, findet die Entscheidungsregel unter Heizöl jetzt kaufen oder warten; den Vergleich der Heizkosten für diesen Winter unter Heizkosten Winter 2026/27.
Was ein Winter mit 70 oder 100 Euro je MWh für deine Heizkosten bedeutet, rechnest du in einer Minute aus.
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