1. Was genau beschlossen ist
Der Bundestag hat die befristete Senkung der Energiesteuer am Freitag, 25. September 2026, mit 434 Ja-Stimmen gegen 128 Nein-Stimmen ohne Enthaltung beschlossen; dafür stimmten die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD, die Opposition lehnte ab (bundestag.de, Drucksache 21/6561). Der Bundesrat hat das Gesetz noch am selben Tag in seiner 1068. Sitzung gebilligt (bundesrat.de). Die Steuersätze auf Benzin und Diesel sinken um jeweils 14,04 Cent je Liter; weil die Mehrwertsteuer auf den Nettopreis aufschlägt, ergibt das rechnerisch 16,7 Cent, der Bundesrat spricht von „bis zu 17 Cent je Liter“. Der Rabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026, also 92 Tage. Der Gesetzentwurf beziffert den Ausfall auf 2,485 Milliarden Euro Energiesteuer plus 293 Millionen Euro Umsatzsteuer (bundestag.de); Bund und Länder teilen sich die Last je zur Hälfte (Netz-Trends, 19. September 2026). Vorausgegangen war die Einigung von Bund und Ländern am 19. September und der Kabinettsbeschluss im Umlaufverfahren (ZDFheute).
Beschlossen heißt jetzt: von beiden Kammern verabschiedet. Es folgen die Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und die Verkündung im Bundesgesetzblatt; die Artikel zur Steuersenkung treten am 1. Oktober 2026 in Kraft (bundesrat.de). Bis zum 30. September gilt der alte Steuersatz. Eine gesetzliche Pflicht, die Senkung vollständig an die Kunden weiterzugeben, enthält das Gesetz nicht; wie viel ankommt, entscheiden Mineralölkonzerne und Tankstellen (Bundesrat).
Heizöl ist ausgenommen; warum, steht im nächsten Abschnitt Gilt der Tankrabatt auch für Heizöl?.
2. Gilt der Tankrabatt auch für Heizöl? Nein
Nein. Das Gesetz senkt die Energiesteuer nur auf Benzin und Diesel, um 14,04 Cent je Liter; leichtes Heizöl bleibt beim bisherigen Satz von 61,35 Euro je 1.000 Liter, also rund 6,1 Cent je Liter (§ 2 Energiesteuergesetz; Stuttgarter Zeitung, 21. September 2026). Heizöl und Diesel sind chemisch fast derselbe Stoff, werden aber getrennt besteuert: Auf einen Liter Diesel entfallen regulär 47,04 Cent Energiesteuer, auf einen Liter Heizöl nur rund ein Achtel davon. Der Rabatt setzt an der hohen Kraftstoffsteuer an; beim Heizöl gäbe es kaum etwas zu senken.
Für deine Heizölrechnung ändert der Rabatt am 1. Oktober also nichts. Der Preis hängt am Rohöl, am Gasöl und am CO2-Preis: Am 27. September kostete Heizöl im Bundesdurchschnitt 167,47 Euro je 100 Liter (HeizOel24). Ob er steigt oder fällt, entscheidet derzeit vor allem die Lage um Hormuz, siehe Hormuz-Plan abgelehnt: Folgen für die Preise; wann sich eine Bestellung lohnt, steht unter Heizöl jetzt kaufen oder warten, der Tagespreis unter Heizölpreis heute.
3. Wie viel davon an der Zapfsäule ankommt
Der erste Tag: Die Messungen vom 1. Oktober 2026 nennen je nach Quelle, Uhrzeit und Vergleichswert unterschiedlich große Preisrückgänge. Die dpa meldete, Super E10 habe bis 11:45 Uhr im Schnitt 2,052 Euro und Diesel 2,197 Euro gekostet; im Tagesschnitt vom Mittwoch, dem 30. September, waren es 2,242 Euro und 2,390 Euro. Der ADAC nannte um 12:15 Uhr je nach Sorte 14 bis 15 Cent weniger als am Vortag, Kartellamtschef Mundt sagte, die Preise seien seit null Uhr im Schnitt um rund 18 Cent gesunken (dpa via finanzen.at, 1. Oktober, 17:58 Uhr). Nach der Auswertung von benzin.jetzt waren bis 11 Uhr an 431 Tankstellen E10 um 12,7 Cent und Diesel um 13,3 Cent günstiger; „rund 13 bis 15 Cent“ kamen demnach an, rechnerisch wären 16,7 Cent möglich (Kurier-Verlag nach dpa, 2. Oktober). Zur Einordnung: Beim Frühjahrsrabatt maß das Bundeskartellamt im Ergebnis 13,8 Cent beim Diesel und 13,0 Cent beim Super E5, einer anderen Sorte als dem jetzt genannten E10 (Bericht vom 10. Juli 2026). Die Werte vom ersten Tag sind Zwischenstände mit verschiedenen Uhrzeiten und Vergleichswerten, keine Tagesschnitte, und lassen sich nicht miteinander verrechnen; ADAC-Tagesschnitte für den 1. Oktober lagen am 2. Oktober noch nicht vor.
Die ehrliche Antwort kommt aus dem Frühjahr: Beim Tankrabatt vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 (14,04 Cent Energiesteuer, rund 17 Cent brutto, 1,6 Milliarden Euro) kamen laut dem Quartalsbericht der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts vom 10. Juli 2026 beim Diesel 13,8 von 16,7 Cent an, das sind 82,6 Prozent, beim Super E5 13,0 Cent oder 77,8 Prozent (Netz-Trends). Die Margen an den Tankstellen stiegen im selben Zeitraum um rund 3,3 Cent je Liter beim Diesel und 1,9 Cent beim Super E5. ZDFheute fasst es auf „rund 80 Prozent“ zusammen.
Übertragen auf Oktober: Von 17 Cent dürften nach dem Frühjahrsmuster 13 bis 14 Cent bei dir ankommen, wenn sich die Branche ähnlich verhält. Der ADAC fordert die vollständige Weitergabe und will in die Ausgestaltung des Preisdeckels einbezogen werden (ADAC, September 2026). Die ersten Zwischenstände vom 1. Oktober stehen oben auf dieser Seite; den ADAC-Tagesschnitt tragen wir nach, sobald er vorliegt.
| Rabatt | Zeitraum | Energiesteuer | brutto | angekommen (Diesel) |
|---|---|---|---|---|
| Frühjahr 2026 | 01.05.–30.06.2026 | −14,04 Ct | ≈ 17 Ct | 13,8 von 16,7 Ct (82,6 %), Bundeskartellamt 10.07.2026 |
| Herbst 2026 | 01.10.–31.12.2026 | −14,04 Ct | ≈ 17 Ct | Zwischenstände 01.10.: benzin.jetzt 13,3 Ct, ADAC 14 bis 15 Ct (je nach Sorte), Kartellamt rund 18 Ct; ADAC-Tagesschnitt offen |
Wie Steuersenkungen und Rohölbewegungen durch die Preiskette laufen, erklärt unser Lexikonbeitrag zum Pass-through-Effekt; die Steuerbestandteile selbst stehen unter Energiesteuer.
4. Was der Rabatt für deinen Tank bedeutet
Bei vollen 17 Cent spart eine 50-Liter-Füllung 8,50 Euro; bei den 13,8 Cent des Frühjahrs sind es 6,90 Euro. Wer im Quartal 375 Liter tankt, das entspricht 1.500 Litern im Jahr, spart in den drei Monaten zwischen 51,75 und 63,75 Euro. Ausgangspunkt ist der Rekordstand vom 17. September 2026: Super E10 2,308 Euro, Diesel 2,471 Euro je Liter (ADAC). Ein Diesel bei 2,47 Euro läge nach vollem Rabatt bei 2,30 Euro, nach dem Frühjahrsmuster bei 2,33 Euro. Das ist eine spürbare, aber keine große Entlastung: Der Wochenanstieg beim Diesel betrug allein in der Woche zum 15. September 10,1 Cent (ADAC).
Drei praktische Folgen. Erstens: Am 30. September nur so viel tanken, wie bis zum 1. Oktober nötig ist; das Gesetz ist beschlossen. Zweitens: In den ersten Oktobertagen die Preise vergleichen; im Frühjahr gaben nicht alle Anbieter gleich schnell weiter. Drittens: Nicht auf den Rabatt bauen, wenn der Rohölpreis weiter steigt; 17 Cent entsprechen bei einem Wechselkurs von 1,14 Dollar je Euro (HeizOel24.at, 22. September 2026) etwa 30 Dollar je Barrel Brent, und Brent hat zwischen dem 1. Juli und dem 17. September 2026 mehr als das gutgemacht (71,57 Dollar am 1. Juli, 104,33 Dollar am 18. September; Wikipedia, Fortune).
Was der Rabatt in deinem Jahresbudget bewirkt, siehst du in einer Minute: Kilometer, Verbrauch, Kraftstoff.
Meine Spritkosten berechnen5. Der Preisdeckel ab 2027: was bekannt ist
Die Bundesregierung will spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs und Belgiens einführen (ZDFheute, 19. September 2026). In beiden Ländern legt der Staat auf Basis der Rotterdamer Produktnotierungen Höchstpreise fest, die Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Das Wirtschaftsministerium nennt bislang keinen festen Zeitplan und betont zwei Dinge: Die Maßnahme soll befristet sein, und die Versorgungssicherheit müsse gewährleistet bleiben. Mehr ist nicht beschlossen, weder ein Deckelpreis noch der Mechanismus.
Wirtschaftswissenschaftler kritisieren beide Instrumente als wenig zielgenau, weil sie Vielfahrer mit großem Auto stärker entlasten als Haushalte ohne Wagen (ZDFheute). Der Rabatt ist damit ein Preisinstrument, keine Sozialleistung. Wer mit einem Ölkessel heizt, hat davon nichts; was für den Winter zu erwarten ist, steht in der Heizölpreis-Prognose und in der Spritpreis-Prognose.