1. Gilt der Tankrabatt auch für Heizöl?
Nein. Der Zoll, der die Energiesteuer erhebt, nennt in seiner Fachmeldung vom 29. September 2026 als begünstigt nur Benzin und Diesel sowie die nach § 2 Absatz 4 Energiesteuergesetz gleichgestellten Kraftstoffe wie E85 und Biodiesel (FAME). Für sie sinkt die Steuer vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 um 14,04 Cent je Liter, auf 514,10 Euro je 1.000 Liter bei Benzin und 330,00 Euro bei Diesel. Leichtes Heizöl taucht in der Meldung nicht auf. Es wird nach einem eigenen, viel niedrigeren Satz besteuert, der unverändert bleibt: 61,35 Euro je 1.000 Liter, rund 6,1 Cent je Liter (§ 2 Energiesteuergesetz; Stuttgarter Zeitung, 21. September 2026).
Für deine Heizölrechnung ändert der Tankrabatt deshalb nichts. Das gilt auch für Flüssiggas und Erdgas zum Heizen, die eigene Steuersätze haben und in der Fachmeldung ebenfalls nicht vorkommen. Ein eigenes Entlastungspaket für Heizöl ist uns bis zum 11. Oktober 2026 nicht bekannt. Wie viel der Rabatt an der Zapfsäule tatsächlich bringt, steht auf der Seite Tankrabatt ab 1. Oktober 2026.
2. Warum Heizöl außen vor bleibt
Weil es beim Heizöl kaum Energiesteuer gibt, die man senken könnte. Diesel trägt regulär 47,04 Cent Energiesteuer je Liter, Heizöl 6,135 Cent, also rund ein Achtel davon. Der Tankrabatt von 14,04 Cent ist mehr als doppelt so hoch wie die gesamte Energiesteuer auf einen Liter Heizöl. Selbst eine vollständige Streichung würde den Liter nur um 6,135 Cent netto senken, mit 19 Prozent Mehrwertsteuer um 7,30 Cent (eigene Rechnung).
Chemisch sind Heizöl und Diesel fast derselbe Stoff, beide sind Mitteldestillate aus der Raffinerie. Damit niemand billiges Heizöl in den Tank füllt, wird Heizöl eingefärbt und mit einem Markierstoff versetzt, und der Zoll kontrolliert das. Die getrennte Besteuerung ist politisch gewollt: Heizstoffe werden in Deutschland traditionell deutlich niedriger besteuert als Kraftstoffe. Dafür kommt beim Heizöl, wie beim Kraftstoff, der CO2-Preis hinzu, und der ist inzwischen deutlich höher als die Energiesteuer.
3. Was in deinem Heizölpreis steckt
Am 11. Oktober 2026 kostete Heizöl im Bundesdurchschnitt 170,55 Euro je 100 Liter, also 1,71 Euro je Liter (HeizOel24). Rund 27 Cent davon sind Mehrwertsteuer, gut 6 Cent Energiesteuer und je nach CO2-Preis rund 15 bis 17 Cent CO2-Abgabe. Der große Rest, etwa 1,20 Euro je Liter, ist das Produkt selbst mit Fracht, Lager und Händlermarge (eigene Rechnung, siehe Tabelle).
| Bestandteil je Liter | Betrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Preis inklusive Mehrwertsteuer | 1,7055 € | HeizOel24, Ø Deutschland, 11.10.2026 |
| Mehrwertsteuer 19 % | 0,2723 € | eigene Rechnung |
| Energiesteuer | 0,0614 € | 61,35 € je 1.000 L, § 2 Energiesteuergesetz |
| CO2-Preis | rund 0,146 bis 0,172 € | Korridor 55 bis 65 € je Tonne, rund 2,65 kg CO2 je Liter, eigene Rechnung |
| Produkt, Fracht, Lager, Marge | rund 1,20 bis 1,23 € | Rest, eigene Rechnung |
Daraus folgt: Was den Heizölpreis bewegt, ist fast immer das Produkt, nicht die Steuer. Es hängt am Rohöl und noch enger am Gasöl, dem Börsenpreis für Diesel und Heizöl in Europa. Wie sich der CO2-Preis bis 2030 entwickeln kann, rechnet der CO2-Preis-Rechner für Heizöl vor.
4. Wirkt der Tankrabatt indirekt auf den Heizölpreis?
Messbar nicht. Der Rabatt senkt eine Steuer an der Zapfsäule, nicht den Großhandelspreis des Produkts. Heizöl und Diesel kommen zwar aus derselben Raffineriefraktion, ihr Preis wird aber an den Börsen gebildet, an denen Deutschland nur ein Teil der Nachfrage ist. Ob an deutschen Tankstellen etwas mehr Diesel verkauft wird, spielt dafür keine Rolle.
Was den Heizölpreis tatsächlich bewegt, zeigte die vergangene Woche. Am 9. Oktober kündigte US-Präsident Trump russische Diesellieferungen an, und der US-Future für Diesel und Heizöl fiel noch am selben Tag um 4,6 Prozent; DTN nennt daneben Berichte über Chinas Exportfreigabe. Der Kreml bestätigte die Lieferbereitschaft, und Russland lockerte am 10. Oktober sein Exportverbot für Diesel, zunächst für 500.000 Tonnen (Al Jazeera, TASS). In die Gegenrichtung wirken die Angriffe auf Tanker rund um die Straße von Hormuz, wo am 10. und 11. Oktober zwei weitere Schiffe getroffen wurden (UKMTO via gCaptain). Wie viel russischer Diesel wirklich ankommt, ist über die erste Tranche hinaus offen. Den Tagespreis findest du unter Heizölpreis heute, die Lage um Hormuz unter Hormuz und die Preise.
5. Was Heizölkunden jetzt wirklich hilft
Der größte Hebel ist der Zeitpunkt, nicht die Steuer. Die Faustregel nach Füllstand: Ist dein Tank unter einem Drittel, bestelle jetzt, denn ein leerer Tank im ersten Frost ist teurer als jeder Cent Preisunterschied. Zwischen einem und zwei Dritteln lohnt eine Teilmenge, die das Risiko auf zwei Termine verteilt. Über zwei Dritteln kannst du warten, solltest aber Angebote bereithalten, um innerhalb eines Tages bestellen zu können. Die ausführliche Regel steht unter Heizöl jetzt kaufen oder warten.
- Menge bündeln: Je größer die Liefermenge, desto niedriger meist der Literpreis. Eine Sammelbestellung mit Nachbarn senkt die Anfahrtskosten je Liter.
- Vergleichen: Händlerpreise für dieselbe Postleitzahl liegen oft spürbar auseinander. Hole zwei oder drei Angebote für dieselbe Menge und denselben Liefertermin ein.
- Nicht auf einen Tageskurs spekulieren: Der Heizölpreis folgt dem Gasöl mit einigen Tagen Verzögerung. Ein einzelner Tag wie der 9. Oktober ist ein Signal, kein Trend; die Lage im Persischen Golf kann ihn schnell drehen.
- Hilfen prüfen: Wer Wohngeld oder Sozialleistungen bezieht, sollte bei hohen Heizkosten bei der zuständigen Stelle nachfragen, wie Heizkosten berücksichtigt werden; ein eigener Heizölzuschuss für 2026 ist uns nicht bekannt (Stand 11. Oktober).
Wohin der Preis bis zum Winter zeigt, steht in der Heizölpreis-Prognose.